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BAH zeigte beim CSD Flagge für Menschen mit HIV und Aids

30 Jahre POSITIVES ERLEBEN

Die Berliner Aids-Hilfe beteiligte sich am 27. Juni beim Berliner CSD Berlin 2015 und zeigte Flagge für Menschen mit HIV/Aids.

Unser Doppeldeckerbus hatte die Startnummer #3.

Wir waren auf der Straße, um die Interessen unserer Zielgruppen offen und parteilich zu vertreten. Wir engagierten uns gegen die Diskriminierung HIV-positiver Menschen, um so neben dem heutigen medizinischen Fortschritt die Entstigmatisierung von HIV/Aids gesellschaftlich voranzutreiben. Unser Ziel ist die vollständige Akzeptanz und Integration von HIV-positiven Menschen als selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft.

Der CSD ist eine politische Demonstration. Und Bunt! Wir traten mit Demo-Pappen in Regenbogenfarben an, um für die Themen von Menschen mit HIV zu demonstrieren. Dabei geht es uns um die Schlagworte Akzeptanz, Selbstbestimmung, Medikamentenzugang, Teilhabe, Vielfalt und Aufklärung. Die Zuschauenden waren eingeladen, sich auch nach dem CSD in die einzelnen Aspekte der Schlagworte einzuarbeiten. Als Gedächtnisstütze verteilten wir hierzu Aufkleber mit QR-Code, der auf diese Seite verweist. Gemeinsam schaffen wir es, dass HIV-positive Menschen ein gleichberechtigter und selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft werden. Dafür setzen wir uns ein.

Mehr Aufklärung schafft weniger Diskriminierung!

„HIV-positiv zu sein ist nicht mehr gleichbedeutend damit, andere Menschen anstecken zu können. Regelmäßig eingenommene HIV-Medikamente senken die Viruslast nach sechs Monaten in der Regel so weit, dass eine Infektion des Partners oder der Partnerin mit dem HI-Virus unwahrscheinlich ist.“

Diese und andere Botschaften zum Leben mit HIV, zum Abbau von Diskriminierung und Stigmatisierung HIV-Positiver sind nur durch intensive Aufklärungsarbeit möglich.

Wir fordern öffentlichkeitswirksame Kampagnen auf Landes- und Bundesebene zur Entstigmatisierung HIV-positiver Menschen!

Wir fordern den Abbau von Diskriminierung und Stigmatisierung durch Aufklärungsarbeit an Schulen und pädagogischen Einrichtungen. Entsprechende schulische und außerschulische Projekte sollten eine größere politische Unterstützung erfahren. Das Gespräch über sexuelle Vielfalt und sexuell übertragbare Infektionen baut Barrieren und Vorurteile ab und schafft somit eine größere Akzeptanz und ein vorurteilsfreies Miteinander.

Weltweiter Zugang zu HIV-Medikamenten für Alle!

Medikamentöse Therapien einer HIV-Infektion sind in vielen Europäischen Ländern weitestgehend selbstverständlich. Dies gilt jedoch immer noch nicht für alle Länder dieser Welt.

Selbst in unserem Land haben MigrantInnen ohne legalen Aufenthaltsstatus keinen Zugang zu einer medizinischen und lebensrettenden Regelversorgung.

Wir fordern den weltweiten Zugang zu Medikamenten für HIV-positive und an Aids erkrankte Menschen. Darüber hinaus fordern wir die Gleichstellung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus in Deutschland mit Hilfe eines anonymen Krankenscheins, damit auch sie einen gleichberechtigten Zugang zur medizinischen Versorgung erhalten.

Staaten, in denen Homosexuelle, Trans* und Inter verfolgt und diskriminiert werden, sollen international Ächtung erfahren. HIV-Prävention kann nur in einer offenen und toleranten Gesellschaft wirksam sein.  Daher müssen Homo-, Trans*- und Inter-feindliche Staaten sanktioniert und die wirtschaftliche Zusammenarbeit gestoppt werden. Menschenrechte gehen vor Wirtschaftsinteressen!

Gesellschaftliche Vielfalt umfasst Menschen mit HIV!

Angst vor Menschen mit HIV ist fehl am Platz. Häufig resultiert Angst aus einem schlechten Informationsstand. Zur Gesellschaft gehören alle Menschen wie sie sind. Mit all ihren Eigenschaften. Nur so entsteht die Vielfalt, von der wir letztlich alle profitieren.

Wir fordern, dass Menschen mit HIV/Aids, Hepatitiden und anderen sexuell übertragbaren Infektionen nicht ausgegrenzt werden. Kommunikation ist der Schlüssel zu gegenseitigem Verständnis, zur Akzeptanz sowie zur Teilhabe und Integration Aller.

Jedwede Form von Homophobie und Diskriminierung auf Grund der sexuellen Orientierung muss gesamtgesellschaftlich geächtet werden. Jeder Mensch soll sein Leben frei in einer Gesellschaft der Vielfalt und Akzeptanz leben können. Aufklärungsmaßnahmen müssen intensiviert und gesellschaftlich verankert werden. Eine Gesellschaft in der alle sein können wie und was sie sind, ist wahrhaft vielfältig!

Für Selbstbestimmung und Teilhabe HIV-positiver Menschen!

Niemand darf gegen seinen Willen auf HIV getestet werden. Diese Entscheidung trifft jeder Mensch für sich selbst. Ein positiver HIV-Test ist für viele Menschen ein einschneidendes Erlebnis und muss auf individuellem Weg verarbeitet werden können. Zudem kann der Beginn einer HIV-Therapie das bisherige Leben stark verändern. Tabletten müssen regelmäßig eingenommen und in den Alltag integriert werden. Ob der Beginn einer Therapie notwendig ist, entscheiden Positive gemeinsam mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin. HIV-Positive müssen selbst bestimmen können, wie sie mit den Folgen ihrer Infektion umgehen.

Wir fordern, dass chronisch Kranke in die Lage versetzt werden, ihr Leben selbst zu gestalten. Sexuell übertragbare Infektionen dürfen keine soziale Isolation nach sich ziehen. Der Abbau von Beschränkungen am Arbeitsmarkt, im kulturellen und sozialen Leben für Menschen mit chronischen Erkrankungen ist daher zwingend notwendig. Chronische Erkrankungen dürfen nicht zu Ausgrenzung und Armut führen.

Menschen mit sexuell übertragbaren Infektionen dürfen nicht kriminalisiert werden. Wir verlangen die sofortige und endgültige Löschung aller ANST-Daten in der Datenbank der Berliner Polizei!

Für eine gleichberechtigte Teilhabe HIV-positiver Menschen in der Gesellschaft!

Wer chronisch krank ist und sich nur eingeschränkt in unsere Leistungsgesellschaft einbringen kann, wird vielfach ausgegrenzt. Beschäftigung zielt meist auf volle Power, auf alles oder nichts. Es fehlt an flexiblen Möglichkeiten, sich nach seinem aktuellen Gesundheits- und Leistungsstand in unsere Gesellschaft einbringen zu können. Wenig Einkommen zu haben bedeutet auch, sich wenig Anschluss an die Gesellschaft leisten zu können oder sogar das angestammte Wohnumfeld zu verlieren.

Wir fordern eine Ausdifferenzierung des Arbeitsmarktes mit lebensunterhaltstragenden Voll- und Teilzeitbeschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Zuverdienstgrenzen müssen angehoben werden, so dass das selbst erwirtschaftete Einkommen in angemessener Höhe selbstbestimmt zur gesellschaftlichen Teilhabe eingesetzt werden kann.

Wir fordern einen angemessenen und bezahlbaren Wohnraum im Herzen der Stadt für Menschen mit Behinderungen und chronisch Kranke, damit sie nicht weiter aus ihren angestammten Wohngebieten an den Rand der Stadt und der Gesellschaft gedrängt werden. Ein Zwangsumzug in Randgebiete gefährdet zudem die bisherige Einbindung in die medizinische Infrastruktur.

Meine Akzeptanz für Menschen mit HIV!

Toleranz ist ein guter Anfang, Menschen mit HIV so zu akzeptieren, wie sie sind. Dennoch findet immer noch auf vielen Ebenen Ausgrenzung und Diskriminierung  statt. Dies rührt häufig aus veralteten Botschaften und Bildern, die auf Angst statt auf Aufklärung gesetzt haben. Wer sich informiert, wird sehen: aus einem tolerierenden Umgang kann sehr schnell ein akzeptierendes Miteinander werden. Denn Solidarität ist ansteckend.

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