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Uli Meurer

Uli Meurer
1954 - 2016

Als uns gestern die Nachricht von Uli Meurers Tod erreichte waren wir alle tief bestürzt, für einen Moment hielten wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Berliner Aids-Hilfe inne.

„Mut gehört dazu!“ - mit diesem Motto ist er zusammen mit Weggefährten Mitte der 1980er Jahre nach München gezogen, um gegen Gauweiler und dessen Politik zu protestieren. Uli Meurer war von Beginn an ein unermüdlicher Kämpfer für Menschen mit HIV und Aids.  Als Humanist und Menschenfreund war er immer auch ein politisch denkend und handelnder Mann, der sich für Patientenrechte, sexuelle Rechte und Selbstbestimmung von Menschen mit HIV und Aids einsetzte.

In diesem Sinn baute er 1985 die Aidshilfe in Karlsruhe auf. Nachdem er nach Berlin umgezogen war, wurde er von 1988 bis 1990 Vorstandsmitglied in der Deutschen AIDS-Hilfe, danach HIV-Referent der Berliner Aids-Hilfe, wo er von 2005 bis 2012 ebenfalls im Vorstand war. In der Funktion des HIV-Referenten war er maßgeblich an der Gründung des Café PositHiv beteiligt und begleitete dieses Selbsthilfe-Projekt, welches Anfang der 1990er Jahre  einen selbstbestimmter Ort für Menschen mit HIV und Aids bedeutete. Das Café PositHiv wurde zum Vorbild für vergleichbare Projekte in anderen Städten.

„Gegen das Vergessen“ initiierte er den bis heute bestehenden Trauerzug der Berliner Aids-Hilfe. Auch in den 2010er Jahren vereint der Trauerzug Menschen, in ihrem Gedenken an die an HIV und Aids Verstorbenen.  Er ist immer auch eine Anklage an Politik und Gesellschaft,  gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV und Aids einzutreten.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse so zu ändern, dass Menschen mit HIV und Aids in der Mitte der Gesellschaft ankommen können, war immer seine handlungsleitende Maxime. So gehörte er 1996 zu den Initiatoren des bundesweiten „Netzwerk plus“. Er war Mitinitiator des „Konrad-Lutz-Preises“, mit dem künstlerische Arbeiten zum Leben mit HIV und Aids ausgezeichnet werden. Im Delegiertenrat der Deutschen AIDS-Hilfe vertrat er von 2009 bis 2011 die Berliner Landesebene und er war Mitglied im Nationalen AIDS-Beirat. 2012 erhielt er für sein langjähriges Engagement das Bundesverdienstkreuz.

Sich politisch einmischend und gesellschaftlich fordernd, menschlich, einfühlsam und hilfsbereit, humorvoll, den schönen Künsten zugewandt, wortgewaltig und so vieles mehr war Uli Meurer für uns. Vorstandsmitglied Ralph Ehrlich: „Mit Uli Meurer haben wir nicht nur einen Menschen mit viel Herzblut und einem Gespür für die Bedürfnisse von HIV-positiven Menschen verloren, sondern auch einen Freund, der uns und andere bewegen konnte“.

Wir alle werden dich vermissen!

Foto: Brigitte Dummer

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