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Eric Lee Johnson | Udo Walz


Eric Lee Johnson

1959 - 2020

„He’s being taken from us, and we won’t have any others“

Eric Lee Johnsons warmherzige, kräftige und unverwechselbare Stimme ist am 09.12.2020 für immer verstummt. Wir verlieren mit Eric einen wunderbaren Sänger, vielseitigen Künstler, Freund und Unterstützer.

Erics Karriere beginnt schon sehr früh, denn für ihn war von Kindestagen an klar, dass er Sänger werden wolle. Seine unverwechselbare Stimme und sein Talent führten ihn so auch bereits als Jugendlichen auf heimische Bühnen in Washington, und schnell wird sein Talent erkannt. Er wird in seinem Leben unzählige Rollen spielen und das Publikum tief in seinen Bann ziehen.

Noch bevor Eric sein Schauspiel- und Regiestudium in den USA richtig beginnen kann, steht er mit nur 19 Jahren bereits in St. Gallen auf der Bühne. Zwei Jahre später debütiert er auf der Bregenzer Seebühne in der „West Side Story“. So führt ihn sein künstlerischer Weg über die Schweiz und Österreich schließlich fünf Jahre später nach Deutschland, nach Berlin.

1984 wird er mit seinem „Judas“ in „Jesus Christ Superstar“ selbst zum Star. Die Medien feiern sein Berliner Debüt, mit dem er auch als Solist des neu gegründeten Berliner Musical-Ensembles unter Helmut Baumann den Grundstein für den Musical-Boom im deutschsprachigen Raum legt.

Im Berliner Theater des Westens spielt er unter  dem Intendanten Götz Friedrich und seinem Künstlerischen Leiter Helmut Baumann, eine Zeit lang an der Seite der damals noch unbekannten, jungen Kollegin Ute Lemper. Seine Rolle des Jacob in der Inszenierung des „La Cage Aux Folles“ trägt zu dem bis heute nachhallenden Erfolg dieses Musicals bei.

Doch diese Jahre sind auch bittere Jahre. Geprägt von vielen Abschieden, von Leid und Tod. Die damals unbekannte und noch unbehandelbare Krankheit Aids lässt viele seiner Kollegen und Freunde sterben. Der Schrecken ist ständiger Begleiter. Die Endlichkeit des Lebens tritt in den Vordergrund.

Als Eric im Jahr 2014 Zeit findet, sich verstärkt für die Berliner Aids-Hilfe zu engagieren, bleibt er schließlich als einziger Überlebender aller „La Cage Aux Folles“-Tänzer dieser Zeit zurück. 2018 sehen sich Eric Lee Johnson, Ute Lemper und Helmut Baumann bei „Künstler gegen Aids – Die Gala“ ein letztes Mal – ein ganz besonderer Moment für Eric.

Für den Optimisten Eric war der Blick immer nach vorn gerichtet. Gerade aus seinen vielen bedrückenden Erfahrungen mit HIV und Aids schöpfte er Kraft, um künstlerisch eine Vielzahl von öffentlichen und internen Veranstaltungen zu begleiten, die von der Berliner Aids-Hilfe organisiert oder mitgetragen wurden. Im Herbst 2014 stand er bei unserem jährlichen Ehrenamtsfest erstmals als Stargast auf der Bühne.

Unvergessen ist sein Auftritt beim Christopher Street Day am 28. Juni 2015, bei dem er unseren Bühnenpart mit einer Gesangseinlage vor mehreren hunderttausend Zuschauern unterstützte. Auf unserer jährlichen Spendengala „Künstler gegen Aids“ im Theater des Westens übernahm er 2016 als „Eric Lee Johnson and Friends“ die künstlerische Leitung der Musical-Lounge.

Eric unterstützte die Berliner Aids-Hilfe aber auch außerhalb der großen Bühnen, im Kleinen und jenseits der Öffentlichkeit. Mit seinen künstlerischen Beiträgen schenkte er den Patient_innen auf den Infektiologischen Stationen im Krankenhaus Freude und Zuversicht. Auch in unserem Begegnungsprojekt „Ulrichs – Café, Küche & Kultur“ trat Eric bei zahlreichen Veranstaltungen auf.

Wir sind sehr dankbar, dass Eric Lee Johnson unsere Arbeit mit seinem komödiantischen und gesanglichen Talent so kontinuierlich und reich beschenkt hat. Wir erinnern uns mit Freude an seine unprätentiöse Unterstützung und die vielen unvergesslichen, gemeinsamen Momente.

Mit unseren Gedanken sind wir bei seinen Verwandten, Freund_innen und Bekannten sowie allen Menschen, die Eric als großartigen Künstler in ihr Herz geschlossen haben. Wir werden Eric Lee Johnson stets in dankbarer Erinnerung behalten.

Berlin, 10.12.2020

 


Udo Walz

1944 - 2020

Die Berliner Aids-Hilfe trauert um Udo Walz

Er war viele lange Jahre unser Kurator, Unterstützer, Berater, Begleiter und guter Freund.

Im Jahr 1997 gründete Udo Walz mit weiteren Prominenten das Kuratorium der Berliner Aids-Hilfe, dem er bis zuletzt angehörte. In den frühen Jahren war Udo Walz häufig mit Judy Winter, René Koch oder Romy Haag und einer Spendendose in der Hand unterwegs, um Spenden für die Berliner Aids-Hilfe zu sammeln. Im direkten Kontakt mit den Menschen setzte er sich dabei für die Solidarität mit Erkrankten ein und warb für deren Akzeptanz in unserer Gesellschaft.

Für ihn war es selbstverständlich, dass er seine Popularität in den Dienst der guten Sache stellte. Als Friseur beteiligte er sich alljährlich an der Aktion Friseure gegen Aids, verlieh öffentlichkeitswirksamen HIV-Kampagnen sein Gesicht oder wandte sich in TV-Sendungen gegen das Stigma und die Ausgrenzung von Menschen mit HIV und Aids.

Der Salon war ihm nicht nur Lebensmittelpunkt sondern auch zugleich Bühne für Benefizauktionen zu Gunsten der Berliner Aids-Hilfe oder Hintergrund für TV-Interviews, zu der er die Berliner Aids-Hilfe einlud. Mit seinen vielfältigen beruflichen Kontakten hat Udo Walz namhafte Künstler_innen dazu motiviert, bei Künstler gegen Aids – Die Gala zu Gunsten der Berliner Aids-Hilfe aufzutreten. Selbstverständlich übernahm er dazu das Styling und war gern gesehener Gast auf dem Roten Teppich und im Theater. Er überzeugte Sponsoren von der guten Sache und half so, dass die Berliner Aids-Hilfe Arbeit wertvolle Unterstützung erhielt.

Gemeinsam mit seinem guten Freund René Koch trat Udo Walz auch als Musiker in Erscheinung. Auf Initiative des Produzenten Andy Moor erschien die gemeinsam eingesungene CD „Die 3 Berliner“ mit dem Gassenhauer „Das ist die Berliner Luft“ als Benefizprojekt zu Gunsten der Berliner Aids-Hilfe. Zudem engagierte sich Udo Walz bei vielen kleinen Events und Gelegenheiten und half uns ganz selbstlos und unprätentiös.

Udo Walz begeisterte sich bis zuletzt für das ehrenamtliche Begegnungsangebot Ulrichs – Café, Küche & Kultur der Berliner Aids-Hilfe. Er stand voll hinter diesem Projekt, unterstütze es nicht nur finanziell, sondern half auch tatkräftig mit.

Wir sind sehr dankbar für all das Gute, dass uns Udo Walz geschenkt hat und dass wir diesen langen Weg gemeinsam mit ihm gehen durften. Er war ein  wichtiger Vorreiter für Akzeptanz von HIV-positiven Menschen in unserer Stadt  sowie ein treuer, ein guter Freund und wir werden ihn sehr vermissen.

Unser Mitgefühl gilt ganz besonders seinem Lebenspartner Carsten Thamm-Walz sowie allen Angehörigen und Freund_innen.

Berlin, 20.11.2020

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